Am Meer

Wind streichelt mein Gesicht

wie Mütterhände ein trauriges Kind

ich fühle mich seltsam

das Wetter?

 

Der Tag ist gleißend

alles scheint schärfer als nie zuvor

Gras sticht grün

in meine müden Augen

 

Geblendet und kleine Pupillen

ein Zwinker in Richtung Abend

noch so ein Tag

und ich werde verrückt

 

Dabei immer die Wellen

vor und zurück

das Meer liegt schwer und laut

auf jedem Stück schwarzem Sand

 

Und meine Ohren auf ewig

unhörbar hörend

Ich denke sie mir

manchmal geschlossen

Anblick des Himmels

 

Was siehst du?

Was siehst du, wenn du in diesem Moment die Augen öffnest und den Blick hebst? Siehst du denselben Himmel wie ich? Dieselben Wolkenschlachten und Nebeltheater? Sturmverheißend, sternversprechend, hagelspuckend? Siehst du dasselbe endlose Blau, gleißend, fast schmerzhaft, jenes Blau, das sich mal frei, mal eingezäunt, an manchen Tagen Richtung Horizont in seinen dichten Dampfdecken verirrt und an anderen jede Landschaft aus der Erde schneidet? Siehst du all die Dämmerungen und Morgengrauen, dunstverhangen, geheimnisvoll, den sich anmutig aus den Schatten schälenden Tag? Die Leinwand auf der die Nacht ihre größten Wahrheiten malt? Spürst du das Toben und Ziehen an windigen Tagen, die tiefe Ruhe beim Anblick der Gestirne? Erkennst du wie alles fließt und vergeht, nie genauso wiederkehrt, wie es sich irgendwo im Raum verliert und doch noch da ist?

Erkennst du, dass ich dich liebe?

Mittsommer

Schweigen

im Versuch

taumelnden Vögeln am Himmel

nicht mehr gerecht werden zu müssen



und das ewige Malmen

der Mähmaschinen

bis weit hinter die Dämmerung.



Ansonsten Möwen

der letzte Löwenzahn

verblüht in den Hügeln,

wo Gras über jene Knochen wächst.



verletzt habe ich nur mich selbst 

verletzt habe ich immer nur mich selbst



die Worte sind vorgemalt

die Götter sind tot

die Gebete alt



Ein Seufzer und ein Blick,

der sich aus dem Fenster stürzt.

Odin hätte seine Raben ausgeschickt,

wo Gras über unsere Knochen wachsen wird.

Schattenlichter

Was Grenze ist irrt zwischen Scherbendächern
und Werbelächeln blutig geschnittene

Wollpapiersterne
das Klirren der Straßenlaterne
die etwas von Licht heuchelt
das sie auf den Asphalt erbricht

Heute verstopfen
Kinderträume die Abflüsse
wer hat damals statt
Bäumen auf Stämmen
auch lieber Wolken auf Stilen
gemalt?

Heute möchte ich mich wieder fühlen
nach irgendetwas bitte
doch nur Asche klebt an meinen Wangen
früher wäre ich vielleicht Aschenputtel gewesen

Heute zockeln
getrocknete Tränenflocken
unruhig mannigfaltigen Parkett-
fußböden entgegen – Mann es war nett
dir mal wieder zu begegnen
Wir haben uns ja schon lange nicht mehr-
wie auch immer

Und aus Planierraupen schlüpfen
ständig neue Parkplätze
Hochdruckreiniger säubern
alle Abflüsse
ich erkenne nichts mehr
wer kann meine Hände noch vor den Augen sehen?

Dabei ist schwarz doch schon lange ausgestorben
und nachts kleistern sie die Ecken
mit dunkelfarbigen Plakaten zu
um Ungleichheit zu simulieren

Was Grenze war irrt zwischen
Schattenlichtern
und wer
sind wir
noch da?

Versuch 1

Alles was zählt.

Frühling mit dem Versprechen auf Sommer. Das erste Gewitter vor einer halben Stunde. Die Luft war stickig, schwül, den ganzen Tag schon. Man konnte Löcher hinein schneiden. Ich habe das Atmen vermisst. Nun regnet es draußen. Es ist kühler geworden und ich habe die Fenster geöffnet, um alles hinein zu lassen. Um meinen Raum aufzufüllen mit den Geräuschen von auf Dächer prallenden Tropfen und fliegenden Flugzeugen irgendwo im Tosen über mir. Mit dem Geruch von frischem Gras im April. Ich liege auf dem Teppich. Die Augen weit aufgerissen, wartend. 

Und alles was zählt, ist, dass ich darüber schreiben kann. Dass ich aus dem Moment, der Atmosphäre dieses Augenblicks etwas schaffe. Und es ist egal, ob ich es ins Internet werfe oder als Dateileiche auf meiner Festplatte verbleichen lasse. Ob es jemand ließt oder ob irgendjemand auch nur einen Splitter dessen erkennt, was ich in jenem Spiegel sah, in den ich beim Schreiben geblickt habe. Was zählt ist, dass es da irgendwo diese Worte, diese Texte, diese Gedichte gibt. Dass sie mein Boot auf dem schwarzen Wasser sind. Mein Ort, an den ich gehen kann und der mir von der Luft an diesem Tag erzählt und davon, warum ich die Fenster an jenem Abend so weit geöffnet habe.