Versuch 1

Alles was zählt.

Frühling mit dem Versprechen auf Sommer. Das erste Gewitter vor einer halben Stunde. Die Luft war stickig, schwül, den ganzen Tag schon. Man konnte Löcher hinein schneiden. Ich habe das Atmen vermisst. Nun regnet es draußen. Es ist kühler geworden und ich habe die Fenster geöffnet, um alles hinein zu lassen. Um meinen Raum aufzufüllen mit den Geräuschen von auf Dächer prallenden Tropfen und fliegenden Flugzeugen irgendwo im Tosen über mir. Mit dem Geruch von frischem Gras im April. Ich liege auf dem Teppich. Die Augen weit aufgerissen, wartend. 

Und alles was zählt, ist, dass ich darüber schreiben kann. Dass ich aus dem Moment, der Atmosphäre dieses Augenblicks etwas schaffe. Und es ist egal, ob ich es ins Internet werfe oder als Dateileiche auf meiner Festplatte verbleichen lasse. Ob es jemand ließt oder ob irgendjemand auch nur einen Splitter dessen erkennt, was ich in jenem Spiegel sah, in den ich beim Schreiben geblickt habe. Was zählt ist, dass es da irgendwo diese Worte, diese Texte, diese Gedichte gibt. Dass sie mein Boot auf dem schwarzen Wasser sind. Mein Ort, an den ich gehen kann und der mir von der Luft an diesem Tag erzählt und davon, warum ich die Fenster an jenem Abend so weit geöffnet habe.

 

 

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